Arno Beck

Arno Beck Hubert Schmalix Peter Mueller Golestani

 

'Would I rather watch this as a movie' Galerie Golestani

Gruppenausstellung mit Hubert Schmalix, Arno Beck, Peter Müller

 

Zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag, den 15. September 2017 wird ab 19 Uhr herzlich in die Galerie eingeladen.

 

Galerie GOLESTANI
Collenbachstraße 39
40476 Düsseldorf
www.golestani.gallery

  

Im Bild erst erstarrt die Welt zum Dinghaften, das sie nicht ist. Der Blick löst die Starre und kappt die Fäden, vollzieht sich bewegt und ohne Gedächtnis. Ein Film, so lange er auch sein mag, hat immer eine definitive Dauer, einen Zeit- und oft auch einen Erzählrahmen. Die Ausstellung versammelt drei künstlerische Positionen, die vorsätzlich auf Narration verzichten, Standbilder kreieren, und uns damit unser Bedürfnis nach Erzählung, nach Zeitlichkeit und Interaktion bewusst machen. 

 

 

Hubert Schmalix

 

Hubert Schmalix´ Malerei will uns aufmerksam machen für die Potenz der Farbe, zeigen, dass sie eigentlich alles kann: Licht und Raum sein, Fläche und Linie. Das Wasser ist linear und zackig, die Berge Variationen des Mount Fuji und wenn die Farben nicht wären, wären die Landschaften von japanischen Farbholzschnitten schwer zu unterscheiden. Licht, Schatten? Alles in der Farbe, nichts in der Form. „Es gibt Leute, die greifen gewisse Farben nicht an“, sagt Schmalix in einem Interview, er gehöre nicht dazu. Er wolle sich nicht beschränken, jede Farbe ist möglich, und sie wirken in der Tat ‚angegriffen’: studiert, sich zu eigen gemacht und irisierend und kraftvoll zwischen harte Konturen gesetzt. Die Farben sind dabei sowohl gegenständlich wie gegenstandslos: Die braune Holzhütte ist neben einen Himmel gesetzt, dessen Orange kein Sonnenuntergang hätte färben können. Das Wasser hellgrün oder gelb, mal scheint es das Umliegende zu spiegeln, mal es zu vergessen: Die Farben emanzipieren sich von den Dingen. Und so dicht, opak und eingespannt sie oft wirken: Häufig sieht man eine Lasur, die die Linie übertritt, kleine unbestimmte Flächen, wo Farbe fließen darf. Es ist das Anarchische in den reduktionistischen Ordnungen der Landschaft, die ihr immer wieder Raum geben, obwohl sie Fläche bleibt. Denkbar ist ein Raum durch die opaken Plateaus durchaus, doch erinnert Schmalix uns immer von Neuem an die Tatsache, dass das Bild selbst es ist, das den räumlichen Zusammenhang der Dinge aufhebt. In Schmalix Gemälden ist Farbe nicht nur Fläche, sondern perspektivische Fläche. Seine Bilder wollen Natur nicht nachahmen, sondern eine strukturelle Äquivalenz schaffen. Der Geometrie von Stadtansichten aus Los Angeles, wo der Künstler lebt, ist nicht nur die Flächigkeit der Aufsicht eingeschrieben, auch die zersplitternden Lichteffekte, die jede Ordnung zersetzen. Die Aufsicht und damit einhergehende Distanz ist nur Ausgangspunkt für die räumliche Wirkung der Häuserdächer, die immer auch – wie Paul Klee es mit den Feldern Ägyptens gemacht hat – das kalifornische Licht zu reflektieren scheinen.

 

 

Peter Müller

 

Shapeshifter, die Plastik von Peter Müller, scheint den sonnendurchfluteten Dächern von Schmalix eine utopische Autobahn hinzuzufügen: Gold schraubt sich der Stahl als figura serpentinata in den Himmel und läuft in sich selbst zurück: Eine Verheißung, und sei es nur eine fünfminütige Achterbahnfahrt. Müllers Stahlplastiken, die oft aus einzelnen Metallbändern bestehen, transzendieren ihr Material, sind linear und rotierend zugleich und teilen mit Schmalix das Bedürfnis, einen Schwebezustand erreichen zu wollen. Aber auch sie erinnern – wie die Arbeiten von Arno Beck – an Spielplätze unserer Kindheit: An Carrera Rennbahnen, die völlig aus dem Ruder gelaufen sind, da es dem Künstler gelingt, den ohnehin reduzierten Eindruck von Schwerkraft in der aufsteigenden Vertikalen nahezu aufzulösen. Der Körper ist hier längst kein Darstellungsziel mehr, es bleibt der Raum.

 

 

Arno Beck

 

Als der Computer noch jung und hoffnungsverheißend war, Spiele sich um Affen drehten oder um rennfahrende italienische Brüder, hatte das Raster Hochkonjunktur. Jedes Haus, jede Wolke, jeder Berg war aus Kästchen gebaut, die Farben limitiert, die Richtung linear und die Räume flach. Das Raster schuf eine Klarheit, eine Einfachheit, die an Kinderzeichnungen erinnerte und aus einer Wolke im Handumdrehen – wenn man sie grün anmalte und ihr einen Strich gab – einen Baum machten konnte. In dieser Welt verbrachte eine ganze Generation Stunden, Tage, Sommerferien. Nur Auge und Finger bewegten sich. Im Spiel hat der Computer die Realität abgeschaltet. Arno Beck schaltet das Spiel still. Becks Arbeiten sind syntaktische wie semantische Neuverortungen von copy & paste-Material. Es sind nicht mehr Steine, über die man springen, Berge, die man erklimmen kann oder Kugeln, die deine Spielfigur überrollen: Es sind Standbilder aus jump ’n’ runs, wo nichts mehr besprungen, nichts mehr angeklickt werden kann. Man sieht das Raster als unveränderbare, antihierarchische Form, von der die Kunsttheoretikerin Rosalind Krauss sagte, es habe die „Räumlichkeit der Natur in die eng umgrenzte Fläche eines rein kulturellen Objekts geklappt“. Und dennoch wollen wir klicken, springen, laufen: Ein Bild will man betrachten. Ein Computerspiel spielen. Bewegungsimpulse des Computers werden weitergereicht und Beck zeigt, dass man sich vor Bildern von Spiellandschaften oder Bildschirmmenüs anders als ‚bloß‘ betrachtend verhält.

– Dr. des. Anja Schürmann, Institut für Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

 

 

Hubert Schmalix

 

g. 1952 in Graz, lebt und arbeitet in Los Angeles, Kalifornien

Hubert Schmalix Malerei widmet sich dem malerischen Akt als sinnliches Ereignis. Farbe und Figuration verzichten auf das narrative Moment und verpflichten sich, in der Auflösung klassischer Genres in eine ornamentale Syntax, ganz der Rückführung in das Wesenhafte – der Intensität und Materialität der Malerei. Eine Syntax, die in ihrer Flächigkeit, ihrem teppichhaften Wandcharakter an gotische Kirchenfenster erinnert und die immer wiederkehrenden Kernfragen als Triebfeder im Entstehungsprozess von Malerei vergegenwärtigt: Wie sieht eine Oberfläche aus? Wie sitzt die Farbe? Wie stehen Fläche und Linie zueinander? Hubert Schmalix kann auf zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen zurückblicken. Seine Arbeiten waren bereits mehrfach im Rahmen der Biennale in Venedig zu sehen und wurden zuletzt 2015 im Bank Austria Kunstforum Wien mit einer umfangreichen Einzelausstellung gewürdigt. Schmalix ist Träger des Preises für Bildende Kunst der Stadt Wien. Seit 1997 hat Hubert Schmalix eine Professur an der Akademie der Bildenden Kunst in Wien inne und lehrte an der UCLA.

 

 

Arno Beck

 

g. 1985 in Bonn, lebt und arbeitet in Bonn

Arno Beck vereinbart in seinen Holzschnitten und Schreibmaschinen-Zeichnungen die Bildsprache digitaler Medien mit den Mitteln klassischer Malerei. Sein Werk erinnert frühe Tage der Personalisierung digitaler Bildtechnik in Gestalt der Bildschirmoberfläche erster Apple Computer oder etwa des Nintendo Gameboy Colors von 1998. Beck stilisiert die Begrenztheit einer in Pixel messbaren Auflösung zum Ordnungskriterium malerischer Kompositionen, spielt mit Sehgewohnheiten, der Tradition des klassischen Bildträgers und seiner Anfertigungstechnik zugleich. Arno Beck hat das Studium der Freien Kunst bei Prof. Markus Lüpertz und Prof. Eberhard Havekost an der Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschüler mit Akademiebrief abgeschlossen. Beck ist Förderpreisträger 2015/2016 der BEST-Gruppe und wurde bereits 2010 mit dem Hogan Lovells Kunstförderpreis ausgezeichnet.

 

 

Peter Müller

 

g. 1981 in Ruda, lebt und arbeitet in Neuss

Peter Müller hat das Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschüler von Prof. Tony Cragg abgeschlossen. Seine Arbeiten waren u.a. im Rahmen der Internationalen Biennale für Junge Kunst in Moskau zu sehen und wurden mit dem Kunstförderpreis der Stadt Neuss ausgezeichnet. Peter Müller ist zudem Träger des St. Leopold Friedenspreises des Stifts Klosterneuburg.

 

 

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